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Noten

 

Johann Sebastian BACH
1685-1750

 

Einführung
Orchesterwerke
Kammermusik
Klaviermusik
Chorwerke

 

Kammermusik

Im öffentlichen Konzertieren nimmt Bachs kammermusikalisches Werk längst nicht den Platz ein, der ihm gebührt.Die prachtvollen sechs Geigensonaten (etwa 1720 entstanden) zerfallen in zwei Gruppen. Die ersten drei sind sogenannte Kirchensonaten mit der Satzfolge langsam-schnell-langsam-schnell; innerhalb der Einzelsonaten gehören je zwei Sätze zusammen: der erste bildet gewissermaßen stets ein Präludium zu der Fuge des zweiten, während der dritte und vierte Satz meist vom Melodischen her bestimmt ist. Die Stücke 4, 5 und 6 sind eigentlich keine Sonaten, sondern Suiten in der bereits mehrfach besprochenen Art. Bekanntestes Werk der Gesamtreihe ist das in d-Moll mit der berühmten Chaconne, die in Konzerten fast immer allein gespielt wird. Leider; denn ihre gewaltige Größe wird erst dann wirklich erkennbar, wenn man sie begreift als riesenhaftes Gegengewicht zu den anderen vier Sätzen.

Schon die Themen der fünf Suitensätze (vergl. Notenbeispiele) weisen den unlösbaren Zusammenhang der Gesamtsuite deutlich auf. Freilich, schon für sich allein betrachtet ist die Chaconne ein überragendes Meisterwerk. (Man bedenke immer: für unbegleitete Sologeige!). Wer sich das Thema einmal zu eigen gemacht hat, wird sich in dem auf den ersten Blick verwirrenden Gebäude bald zurechtfinden, wenn er die formale Anlage überblickt: die Chaconne ist in drei große Abschnitte gegliedert (d-Moll/D-Dur/d-Moll), und innerhalb eines jeden Abschnitts führt eine mächtige Steigerung von ruhiger Bewegtheit bis zu weitausladender Akkordik. Wie diese Großräume bewegungsmäßig, vielstimmig, harmonisch und rhythmisch ausgefüllt werden, das ist so überwältigend, daß sich auch der musikalisch nicht Geschulte diesem Zauber kaum entziehen kann.

Während die Cello-Suiten nicht so bekannt geworden sind, verdienten die Klavier-Violin-Sonaten in Haus- und Konzertmusik die allerstärkste Beachtung. Mögen sich die Fachleute von ihrem Standpunkt aus übrigens mit vollem Recht darüber unterhalten, von welchen Instrumenten sie gespielt werden sollen, in unserem Zusammenhang denken wir an die am leichtesten zu verwirklichende Besetzung von Klavier und Geige, vor allem aber daran, daß sie nicht so sehr fachlich als vielmehr menschlich geschrieben sind. Es ist kunstvolle Musik von auffallender Wärme; in ihnen steckt manches persönliche Bekenntnis Bachs, mancherlei Gemütsbewegung, unmittelbar erlebt und ausgesprochen.

Künstlerisch stärker ausgewogen die Triosonaten für zwei Geigen (Flöten) und Continuo; in ihnen tritt das Bekenntnishafte zugunsten des Baulich-Gedanklichen zurück; daher ihre kristallene Kühle und Klarheit.

Im »Musikalischen Opfer« (1747) findet sich am Schluß eine Triosonate für Geige, Flöte und Cembalo, die wohl das Reifste darstellt, was in dieser Gattung je geschrieben wurde. Man erinnere sich: Friedrich der Große spielt Bach bei dessen Besuch in Potsdam ein Thema vor, damit Bach darüber aus dem Stegreif eine sechsstimmige Fuge spiele. Dieses Thema hat Bach später auf verschiedene Weise bearbeitet und die Bearbeitungen dem Preußenkönig als »Musikalisches Opfer« überreicht. Obwohl zu einer Zeit geschrieben, in der bereits ein neuer musikalischer Stil seinen Siegeszug durch Europa antrat, findet sich in diesem Werk auch nicht ein Takt, der diesem neuen Stil Rechnung trüge. Ein Zeitalter geht zu Ende und wird von Bach zugleich auf einen einsamen Gipfel geführt. In den vier Sätzen der Sonate wird das königliche Thema wie prüfend gegen das Licht gehalten: durch das einleitende Largo schimmert der thematische Gedanke nur eben durch, im zweiten Satz trägt es als Cantus firmus die fugierte Bewegung, im dritten verliert es wieder an Umrißschärfe (Andante) und im letzten Satz entfaltet es - rhythmisch stark verändert - seine reinen Bewegungsenergien.

 

- Johann Sebastian BACH - Johann Sebastian BACH - Johann Sebastian BACH - Johann Sebastian BACH -