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Opernführer
Georges BIZET
Georges Bizet (1838-1875, Franzose) war bereits mit neun Jahren Konservatoriumsschüler in Paris; dort errang er den Römerpreis. Von seinen Opern hat sich nur Carmen auf die Dauer durchgesetzt.
Carmen
Oper in vier Akten Text nach Merimee von H. Meilhac undL Halevy
Personen:
- Zuniga, Leutnant(Baß)
- Jose, Sergeant (Tenor)
- Morales, Sergeant (Baß)
- Escamillo, Stierfechter (Bariton)
- Dancairo (Tenor)
- Remendado (Baß),
- Carmen, Zigeunerin (Mezzosopran)
- Frasquita (Sopran)
- Mercedes (MezzoÂsopran),
- Zigeunerinnen Micaela, (Sopran)
Ort und Zeit: Servilla und Umgebung, um 1820 Uraufführung: 3.3.1875, Paris, Opera Comique
Eine der großen unvergänglichen Nationalopern,die die Welt erobert haben. Bei der Uraufführung wurde sie freilich abgelehnt, weil sich das französische Publikum durch die unverhüllte, leidenschaftliche Sinnlichkeit des Werkes abgestoßen fühlte. Heule streitet man allenfalls darüber, ob man den durchkomponierten oder den gesprochenen Dialog vorziehen soll, nicht aber über die Bedeutung der Oper überhaupt. Die besondere Stärke der Musik liegt darin, dal' sie bei aller hinreißenden Leidenschaftlichkeit, allem federnden Schwung und sinnenhaften Glühen mit wachem Kunstverstand gearbeitet ist, sorgfältig charakterisiert, formal geschlossen wirkt und ganz durch sichtig instrumentiert ist.
1. AKT: Auf dem Marktplatz von Sevilla wartet dir neugierige Menge auf die Ablösung der Wache und au t die verführerisch schönen Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik. Ein junges Landmädchen, Micaela, fragt nach dem Sergeanten Jose; da er nicht bei der Wache sondern bei der Ablösung ist, enteilt sie wieder. Die Ablösung zieht auf. Leutnant Zuniga beginnt sogleich ein Gespräch über die Zigarettenmädchen; das interessiert Jose wenig, weil er nur an seine Micaela denkt. Die Fabrikglocke ertönt, die Zigarettenschönen erscheinen - ganz zuletzt Carmen. Sie wird sofort von allen Seiten umworben; doch die Leidenschaftliche hat für langweilige Stutzer nur spöttische Abwehr und ein Lied von der Liebe, die von Zigeunern stamme Alles hängt an ihren Lippen; nur Jose bastelt gleichmütig an seinem Gewehr. Etwas gereizt, aber auch belustigt wirft sie ihm eine Rose zu und eilt lachend mit ihren Gefährtinnen in die Fabrik zurück. Jose ist verwirrt. Doch Micaela erscheint zur rechten Zeit, bringt ihm Brief und Kuß von der Mutter. Sein Gleichgewicht scheint wiederhergestellt. Kaum ist Micaela gegangen, da stürzen die Zigarettenmädchen schnatternd und schreiend herbei: in einem Streit hat Carmen einem anderen Mädchen einen Messerstich versetzt. Jose wird zur Untersuchung in die Fabrik geschickt. Er bringt Carmen. Sie spottet über das Verhör. Jose muß sie binden und soll sie ins Gefängnis führen. Doch sie weiß ihn zu betören, versetzt ihm einen (verabredeten) Stoß und entflieht. Jose wird festgenommen.
2. AKT: In einer Schmugglerschenke sitzen Zigeunermädchen, unter ihnen Carmen, mit Offizieren beim Wein. Als Carmen erfährt, daß Jose heute aus dem Gefängnis entlassen wird, will sie ungeduldig die Gäste verabschieden. Da erscheint Spaniens gefeierter Stierkämpfer Escamillo. Mit seinem Strophenlied »Euren Toast kann ich wohl erwidern« (Kehrreim »Auf in den Kampf, Torero«) macht er Eindruck nicht nur auf die Menge, sondern auch auf Carmen. Noch läßt sie ihn im Ungewissen... Mit dem Torero verlassen alle Gäste die Schenke. Zwei Schmuggler verabreden mit den hübschen Zigeunermädchen, wie sie mit ihrer Hilfe die Grenzwächter täuschen können. Dann wartet Carmen verliebt auf Don Jose. Endlich kommt er, und sie weiß ihn durch Tanzen und Singen völlig einzufangen. Doch als er aus der Kaserne die Trompetensignale hört, will er der Pflicht gehorchen. Wohl liebt er Carmen (»Rosenarie«), doch ihre zornigen Ausbrüche weist er zurück, weigert sich auch, zu desertieren und Schmuggler zu werden. Eben will er die Wütende verassen, da naht Zuniga, hofft auf ein Schäferstündchen. Jose wird eifersüchtig, trotzt dem Befehl seines Vorgesetzten und zieht den Degen. Herbeieilende Schmuggler entwaffnen Zuniga. Jose aber hat nun keine Wahl mehr: er muß bei den Schmugglern bleiben.
3. AKT: Die Zigeunerschmuggler rasten auf einer Felsenhöhle. Carmen ist Joses bereits überdrüssig geworden, und dieser schämt sich ihres Banditenlebens. Doch: »Von dir mich trennen, Carmen? Sprichst du noch einmal solch ein Wort «Drohend erklingt im Orchester das Todesmotiv (Notenbeispiel). Carmen beteiligt sich am Kartenschlagen zweier Zigeunerinnen; sie sieht in den Karten ihren und Joses Tod. Aufbruch der Zigeuner, Jose bleibt als Wache zurück. Da erscheint Micaela; schnell verbirgt sie sich, als Jose auf einen Nahenden schießt. Beinahe hätte der Schuß getroffen. Es ist Escamillo, der lachend Jose berichtet, daß er Carmen erobern wolle. Zwischen den Nebenbuhlern gibt es eine Messerstecherei. Im letzten Augenblick wird der Stierkämpfer durch Carmen und die Schmuggler gerettet. Escamillo lädt alle zum nächsten Stierkampf ein: »Wer mich liebt, der ist dort!« Verliebt blickt ihm Carmen nach. In ihrem Versteck wird Micaela gefunden. Sie fleht Jose an, heimzukommen - zur sterbenden Mutter. Widerstrebend willigt er ein; aber finster droht er Carmen, als sie verzückt aufspringt beim Klang von Escamillos Lied aus der Ferne.
4. AKT: Einzug der Stierkämpfer in die Arena. Carmen erscheint an der Seite Escamillos. Hastig erregt warnen sie zwei Mädchen vor Jose, der sich in der Menge verborgen halte; doch »Ich bin nicht das Weib, das sich fürchtet«. Sie läßt alle in die Arena gehen und erst zuletzt folgt auch sie. Da vertritt ihr Jose den Weg. Nicht drohend. Nein, flehend spricht er von seiner Liebe. Kalt, abweisend antwortet Carmen. Immer erregter, dramatischer wird die Auseinandersetzung, aus dem Zirkus erklingt das Jauchzen der Escamillo zujubelnden Menge, und an Carmens freudiger Bewegung erkennt Jose endlich, wie es steht. Carmen wirft dem einstigen Geliebten seinen Ring vor die Füße. Rasend vor Zorn, zieht Jose sein Messer und sticht sie nieder, als aus der Arena das »Auf in den Kampf« erklingt.

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