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Konzertführer
Eugen d´ALBERT 1864-1932
1. Klavierkonzert in h-Moll 2. Klavierkonzert in E-Dur Cellokonzert
Eugen d'Albert (1864-1932), geboren in Glasgow als Sohn des deutschen Tanzkomponisten Charles d'Al-bert. Seine Lehrer waren Ernst Pauer (London), Hans Richter (Wien) und Franz Liszt (Weimar). Etwa zehn Jahre lang durchzog er als Klavierspieler alle Länder, dann packte den Ratlosen das Kompositionsfieber. Hauptwerke: Opern, eine Sinfonie, zwei Klavierkonzerte, ein Cellokonzert, Lieder, Klavierstücke, Kammermusik.
Bevor sich d'Albert seinem eigentlichen Schaffensgebiet, der Oper, zuwandte, schrieb er verschiedene Instrumentalwerke. Erfolg hatte er aber nur mit den Konzerten für Klavier und Cello. Und auch hier beruht die Wirkung lediglich auf dem mitreißenden Schwung der Kompositionen, nicht auf ihrem künstlerischen Wert. Es ist unmöglich, d'Albert einer einzelnen musikalischen Richtung zuzuordnen; nicht weil er ein Selbständiger wäre, sondern weil er seinen Stoff aus allen Richtungen nimmt. Er ist Romantiker, Neudeutscher, Verist, Klassiker, vor allem aber ist er Virtuose. Wenn es nur »klingt«, heißt sein Wahlspruch. Nun, es klingt wirklich. Da der Komponist zudem etwas kann, hatten sich seine Konzerte schnell eingebürgert. In den letzten Jahren ist man ihnen weniger begegnet, obwohl ihr unbedenklicher, lebendiger Klang dem Hörer mehr zusagt als manches vergrübelte Werk anderer Tondichter.
Das erste Klavierkonzert (h-Moll, Opus 2) verrät den Überschwang des Zwanzigjährigen ebenso wie die Maßlosigkeiten der Entstehungszeit (1884). Liszts Es-Dur-Konzert mußte unter allen Umständen übertrumpft werden, und so schrieb der brausende Jüngling ein Werk, vor dessen Ausbrüchen und Ausdehnungen man zuweilen erschrickt. Das Vorbild Liszts wirkt auch nach in der gedanklichen Anlage: wie dessen sinfonische Dichtungen hat d'Alberts h-Moll-Konzert ein Grundthema, das alle Sätze beherrscht. Eines wird man zugeben müssen: dieses Austoben und Schwelgen, dieser Klangrausch und Klavierprunk sind lebendige Zeugen eines heißblütigen, echten Musikantentums.
Wertvoller ist das zweite Klavierkonzert (E-Dur, Opus 12, 1893). Das Gärende und Maßlose des ersten Konzerts ist gemildert, aber der Schwung ist geblieben. Zwar stehen in der Thematik Schumann, Wagner, Liszt und Brahms mit reichen Geschenken Pate, zwar stammt die Form des Werkes von Schumann und der Gedanke des Kopfmotivs aus Liszts sinfonischen Dichtungen ; aber diese etwas aufdringlichen Anlehnungen verschwinden für den Hörer gegenüber der unverfälschten Musikalität des Ganzen. Und für den Spieler gibt es kaum ein dankbareres Konzert als dieses. In den vier einleitenden Takten bringt das Orchester (Mäßig bewegt) das Grundmotiv (ähnlich der »traurigen Weise« des dritten »Tristan«-Aktes). Fest und bestimmt, ja gebieterisch stellt das Klavier den Hauptgedanken des ersten Satzes auf, dem in Streichern und Horn ein ruhig strömendes Gesangsthema zur Seite gegeben wird. Die weitere Entwicklung wirkt eben nicht tief, bezaubert jedoch durch die Klangschönheit des Ganzen wie durch manche feinen Einzelzüge. Der volle Satz gibt dem Klavier die Möglichkeit, sich gegenüber dem Orchester zu behaupten. Ohne Pause geht es zum Mittelteil (Langsam). Er hat ein merkwürdiges Gesicht: zu Beginn versenkt er sich in stille Zwiesprache von Orchester und Solo, in Rede und Gegenrede, Frage und Antwort; dann aber erfolgt ein gewaltiger Umschwung durch das majestätische Seitenthema der Streicher. Eine neue Welt tut sich auf: warm, wuchtend, strahlend, sinnenhaft, zumal das Klavier mit kraftvollen Akkordfolgen einen harmonischen Unterbau errichtet. Wiederum ohne Pause beginnt der Schlußsatz (Sehr langsam). In ihm kehren die wichtigsten musikalischen Gedanken der beiden früheren Sätze wieder, bald deutlich, bald in umgestalteter Form.
Das Cellokonzert (F-Dur, Opus 20, 1900) ist eine angenehme Oberflächlichkeit. Diese Art von melodischer Süße und bezaubern sollender Thematik ist heute nur noch aus der Ferne zu genießen: Mendelssohn-Weichlichkeit im Klanggewand der Jahrhundertwende, nämlich weichlich auch im Fortissimo. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß sich an manchen Stellen auch echte Musikalität offenbart.
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