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MOZARTJAHR 2006

MOZARTJAHR 2006 engl.

MOZARTEUM

BIOGRAPHIE

Wolfgang Amadeus MOZART
1756-1791

 

Orchesterwerke

Sinfonie Es-Dur
Sinfonie g-Moll
Sinfonie C-Dur (Jupiter)
Haffner-Serenade
Kleine Nachtmusik
Klavierkonzert d-Moll
Klavierkonzert A-Dur
Klavierkonzert c-Moll
Klavierkonzert D-Dur (Krönungskonzert)
Violinkonzert D-Dur
Violinkonzert A-Dur

__________

Kammermusik

Klavier-Violin-Sonaten
Klaviertrios
Haydn-Quartette
Jagdquartartett
Preußische Quartette
Klavierquartette g-Moll und Es-Dur
Quintette: C-Dur, g-Moll
Klarinetten-Quintett

___________

Klavierwerke

Sonate a-Moll
Sonate F-Dur
Sonate C-Dur
Sonate A-Dur
Sonate B-Dur
Sonate c-Moll
Sonate D-Dur
Fantasie c-Moll
Adagio h-Moll

__________

Chorwerke

Requiem
Ave verum corpus

 

Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1756 in Salzburg als Sohn eines hervorragenden Musikers geboren. Als Sechsjähriger bezauberte er die Wiener und Münchener Gesellschaft durch sein Klavierspiel, mit elf Jahren erhielt er vom kaiserlichen Hof einen Opernauftrag, mit zwölf Jahren wurde er Hofkapellmeister in Salzburg. Reisen durch Deutschland, Frankreich, Italien und die Schweiz waren ein einziger Triumphzug für den glänzenden Klavierspieler. Seit seinem 21. Jahre lebte er in Wien; aber selbst als seine großen Meisterwerke (Opern, Sinfonien, Konzerte, Kammermusik, Sonaten, Messen usw.) längst veröffentlicht waren, war sein Dasein ein ständiger Kampf um das tägliche Brot. Gestorben 1791 in Wien, beerdigt in einem Massengrab der Armen.

Immer wieder muß es gesagt werden: Mozart ist nicht nur der heitere Götterliebling mit wohlgepudertem Zöpfchen, als den man ihn auch heute noch vielfach ansieht, sondern eine durchaus tragische Gestalt in einer tragisch-zwiespältigen Zeit. An Fürstenhöfen zeitweilig gehätschelt und an anderen wie ein dummer Lakai behandelt, als Musiker hochgeschätzt und als Mensch in ewigen Sorgen, im spielerischen Rokoko aufwachsend und es traurig-lächelnd überwindend, einer Gesellschaftskultur verpflichtet, deren Hohlheit ihn im Grunde anwidert, süß geglättete Weisen schreibend, hinter deren Oberfläche es zuweilen düster wetterleuchtet - nein, das ist kein lichter Musensohn. Zwischen Licht und Schatten, sehr hellem Licht und sehr dunklem Schatten ist seine Kunst angesiedelt, und das menschlich Bewundernswerte wie künstlerisch Meisterhafte sollte man gerade darin erblicken, daß Mozart die Zerrissenheit seiner Zeit nicht grob nachbildete, sondern in edel gemeisterter Haltung gestaltete - selbst dort, wo er aus seinen Nachtgedanken kein Hehl machte.

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Orchesterwerke

Mozart war kein Sinfoniker wie etwa Haydn oder Beethoven; von seinen 49 Sinfonien haben sich daher im Grunde nur drei bis heute als lebensfähig erwiesen - diese allerdings in höchstem Maße. Kommt Haydns sinfonische Sprache mehr von der Suite mit ihren tanzartigen Sätzen und ihrer straffen Linienführung, so geht Mozart mehr von der »Serenade«, der »Abendmusik« aus. Ihre sangbare Melodik breitet er über alle vier Sinfoniesätze aus, während früher das »Singen« der Instrumente fast ausschließlich den langsamen Sätzen allein vorbehalten war. Damit verwischte er den Gegensatz zwischen Bewegungs- und Empfindungsmusik (was ihm seinerzeit auch stark angekreidet wurde). Diese singenden Allegro-Themen hat er wohl aus zwei Quellen geschöpft: aus dem Salzburger Kulturkreis mit seiner Hinneigung zu den melodienseligen Italienern und aus dem Werk des Johann Sebastian Bach, der diese Melodienfreudigkeit von seinem zehnjährigen Aufenthalt in Italien mitgebracht hatte. Aber auch von Haydns Kunst der motivischen Verarbeitung hat Mozart manches in seine späten Sinfonien übernommen. Freilich sind seine sinfonischen Durchführungen nicht so kunstvoll und männlich wie die Haydns oder Beethovens; der melodische Fluß seiner musikalischen Einfälle war zu stark, als dass er sich den Ballungen motivischer Feinarbeit hätte fügen mögen. Die orchestrale Sprache hat Mozart durchweg bereichert. Wie beredt ein Instrument sein kann, hatte er bei seinem Opernschaffen wohl beobachtet. Und den Grundsatz der »redenden Instrumente« hat er sogleich in seine Meistersinfonien verpflanzt.

 

 

 

Sinfonie Es-Dur (Köchel 543).

Breit ausladend wie Fanfarenklänge, festlich einladend wie ein geöffnetes Schloßtor wirkt das in akkordischer Pracht gehaltene Anfangs-Adagio. Die leise Beklemmung am Schluß wird sogleich beseitigt durch das liebenswerte Hauptthema des anschließenden Allegro. Nach einer kurzen Überleitung setzt ein Motiv im Forte ein, das die feierlich-festliche, kraftvoll -frohe Stimmung des Adagio wie mit einem stolzen Kopfnicken bekräftigt. Frohe Anmut und männliche Lebensbejahung - das sind die Grundbestandteile dieses ersten Satzes.

Diese dramatische Gegensätzlichkeit beherrscht den ganzen Satz, so daß. er anmutet wie eine lange Zwiesprache zwischen Welt und Ich, Schein und Sein. Das Andante cantabile beginnt mit einem Thema, dessen weich gesungene Untermotive durch einen harten Akkordschlag merkwürdig herb beendet werden. Auch dieses Thema enthält die verschleiert gegensätzlichen Stimmungen. - Im Menuett bezaubert die schlicht gleitende Melodie mit ihren zwinkernden Hüpfern im dritten Takt. Der halbtonweise Beginn des Themas entscheidet über das musikalische Geschehen während des ganzen Satzes. - Krönung des Werkes bildet das Finale. Das zügig-geschwinde Zeitmaß, (allegro molto) und der hinreißende Schwung lassen zuweilen fast vergessen, daß kleine Fugen, Nachahmungen und Engführungen strengsten Stils am Werke sind. Einige Kernmotive gilt es zu merken, wenn man den Faden in diesem kunstvollen Irrgarten nicht verlieren will: die ruhigen ganzen Noten des Beginns, das

Triolen-Motiv, in dem der Anfang der Sinfonie wieder aufklingt, das kraftvolle Motiv und die von festen Halben umspannte Achtel-Figur.

 

 

Die Haffner-Serenade (D-Dur, Köchel 250)

(geschrieben 1776 zur Hochzeit der salzburgischen Bürgermeisterstochter Elisabeth Haffner)  gibt musikalische Unterhaltung auf einer sehr hohen künstlerischen Ebene. Der Klang wird stark durch Bläser bestimmt (außer Streichquartett noch zwei Oboen oder Flöten, zwei Fagotte, zwei Hörner und zwei Trompeten). Das einleitende Allegro maestoso stellt in den Hörnern ein Thema auf, das seine gestaltbildende Kraft auch in dem anschließenden Allegro behält. Im ersten Andante, im ersten Menuett und in dem glitzernden Rondo konzertiert eine Geige mit dem Tutti. In einem zweiten Menuett steigen Schatten auf. Aber der Himmel wird wieder geglättet im Thema des zweiten Andante; dieses Thema wird in Rondoform variiert. Im dritten Menuett wird wirklich getanzt und gesummt. Der Schlußsatz scheint anfänglich zu überlegen, wie er sich geben soll; doch dann springt er ausgelassen in froheste Stimmung.

 

 

»Eine kleine Nachtmusik« (Köchel 525, 1787)

 ist für mehrfach besetztes Streichquintett geschrieben, doch laufen Kontrabaß, und Cello im Einklang. Vier Sätze voll unbeschreiblicher Anmut. Das Hauptthema des ersten Satzes wird eingeleitet durch fanfarenartige Rufe der Geige, die auch in der Durchführung eine gliedernde Rolle spielen. Im Gegensatz dazu beginnt die Romanze mit zarten behutsamen Melodieschritten. Fest stampft das Menuett auf, knüpft aber im Trio an die Empfindsamkeit der Romanze wieder an. Das Rondo scheint mit seinem Wispern anzukünden, daß die Liebenden sich gefunden haben. Das schwätzt durcheinander und schnäbelt verliebt und höret nimmer auf.

Aus des Meisters Klavierkonzerten spricht im allgemeinen mehr der »vordergründige Mozart«, der glänzende Klavierspieler und Gesellschaftsmensch, als der hintergründige Schöpfer des »Don Juan« und der g-Moll-Sinfonie. Sosehr er die überkommene Form des Klavierkonzerts erweitert hat (Ausgestaltung des Orchesters, Ausbau der Formteile, Beseelung der Klaviermelodie), im Grunde bleibt bei ihm das Konzert eine auf höchster Stufe stehende gesellige Unterhaltung, in der dem Klavierspieler das Hauptwort eingeräumt wird. Betrachten wir kurz einige Konzerte, die uns heute noch am stärksten ansprechen.

 

 

Klavierkonzert d-Moll (Köchel 466, 1785),

eines der wenigen Konzertwerke, die mehr Bekenntnis- als Spielmusik umschließen. Der Stimmungsausdruck liegt im Orchester. Entscheidend für den ersten Satz das Absetzen von Solo und Orchester: Zwiesprache zwischen Mensch und Geschick. Im zweiten Satz (Romanze) wird die Melodie zur Trägerin eines geradezu romantischen Empfindens. Leidenschaftliche Erregung spricht aus dem wuchtigen Thema des Schlußsatzes; das ist die aufbegehrende Sprache, der auch das Finale der g-Moll-Sinfonie ihre wilde Kraft verdankt.

 

 

Klavierkonzert A-Dur (Köchel 488, geschrieben 1786).

Das unvergängliche Lieblingswerk, wenn auch kaum das bedeutendste Klavierkonzert. Verschleierte Wehmut birgt sich hinter dem festlichen Glitzern. Schon das Hauptthema mit seinem angehängten Seufzer weiß davon zu reden; noch mehr das Seitenthema, das so duftig daherkommt und in der verbindenden Halbton-Figur dennoch seine süße Wehmut nicht mehr zu verheimlichen vermag. Und wie zart setzt im fis-Moll-Andante der Siziliano-Rhythmus ein, wie verhaucht er in den Zweiunddreißigsteln, wie erschrickt er in dem unvermutet eintretenden G-Dur-Klang vor seiner eigenen Heiterkeit: Im Presto des Schlußsatzes schüttelt Mozart alle leisen Bedenklichkeiten ab: mit zwei kühnen Sprüngen geht es an - dann tollt das Thema in wirbelnder Fahrt davon.

 

 

Klavierkonzert c-Moll (Köchel 491, geschrieben 1786). Ein Blick auf das Hauptthema des ersten Satzes läßt die feste, gläubige Haltung Mozarts musikalisch deutlich werden. Aus dieser harmonisch verdunkelten Melodie mit ihren kurzen Septimen-Sprüngen entwickelt sich ein entsprechend reiches modulatorisches Leben. Den Septimen-Sprung, nur in umgekehrter Richtung, verwendet auch das Thema des Schlußsatzes, eines großartigen Variationen-Teils. Im Mittelsatz (Larghetto) ergreift die Innigkeit des liedartigen Themas ebenso wie die lockere Gelöstheit der Bläser.

 

 

Klavierkonzerte D-Dur (Köchel 537, komponiert 1788). Das als »Krönungskonzert« bezeichnete Werk (Mozart spielte es zusammen mit dem F-Dur-Konzert 1790 anläßlich der Kaiserkrönung) wetteifert an Beliebtheit mit dem in A-Dur. Bedeutend ist der Schlußsatz; hier spürt man in der großartigen Durcharbeitung und der verdichteten Fassung, wie in dem Komponisten langsam die drei großen Sinfonien des gleichen Jahres heranreifen. Sehr eindringlich wirkt die Einbettung des verinnerlichten Mittelsatzes in den äußeren Glanz der Ecksätze.

Im allgemeinen können sich die 1777 geschriebenen Violinkonzerte mit den Klavierkonzerten nicht messen; stärker noch als diese sind sie im überlieferten Unterhaltungsstil gehalten. Zwei von ihnen werden ihrer prächtigen Wirkung wegen auch heute noch gern gespielt: das D-Dur-Konzert (Köchel 218) mit dem straffen Kopfsatz, dem volkstümlich anmutigen Schluß-Rondo und dem innigen Andante, dessen Hauptthema in der Oboen-Fassung ganz persönliche Züge trägt, zum andern das /I-Dur-Konzert (Köchel 219), bei dem wiederum der langsame Satz echte Mozart-Töne aufklingen läßt. Während der erste an französische Vorbilder und der letzte mit dem eingeschobenen »Alla Turca« an Haydn erinnert, allerdings wesentlich flüssiger geschrieben ist.

 

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Kammermusik

Besonders in der Kammermusik Mozarts spiegelt sich das abklingende Rokoko, diese kunstvoll-anmutige, seelisch-verzärtelte, ganz dem Augenblick lebende Kultur, vor allem aberdasahnende Wissen um die Gefahren, die sein Ende umlauern: sie bedeuten den Tod einer höfischen Gesellschaftskultur, dem man trotz allen Schauern der Seele lächelnden Auges in zierlicher Haltung entgegentänzelt. Was Haydn vom Geistigen her geschaffen hat, das bewirkt Mozart vom Seelischen her. Ist bei Haydn der schnelle, gedanklich und thematisch gestraffte Hauptsatz Ausgangspunkt für die Gestaltung des Ganzen, so wurzelt Mozart in der singenden Innigkeit des langsamen Satzes.

Von den Klavier-Violin-Sonaten sind die früheren Werke wohl ausnahmslos der Hausmusik zuzuordnen, weil sie im Grunde Klaviersonaten mit vielfach nur begleitender Violine darstellen. Zu echter Zwiesprache der beiden Instrumente kommt es erst in den reifen Sonaten, von denen die in Es-Dur (Köchel 481) als bedeutendes Werk beispielmäßig hervorgehoben sei. Der an Einfällen und raschem Wechsel überströmende, vor allem in der Durchführung wie stegreifartiges Konzertieren anmutende Kopfsatz und die erlesenen Variationen des Finales umrahmen einen der schönsten langsamen Sätze Mozarts. Es ist ein Adagio in As-Dur; der Form nach ein Rondo, das Hauptthema wird bei jeder Wiederkehr verändert. Dazwischen zwei Seitensätze in f-Moll und Des-Dur, in denen die Geige schwärmerisch verklärt singt, umspielt von der ebenfalls melodisch geführten Klavierstimme.

Die Klaviertrios stammen zwar aus Mozarts Meister-Jahrzehnt, enthalten auch zahlreiche Schönheiten, doch müssen wir sie hier übergehen, weil in ihnen das Klavier mehr in den Vordergrund tritt und sie mehr Stegreifartiges enthalten, als dem eigentlichen Kammermusikstil zuträglich ist.

 

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