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Giacomo PUCCINI

 

 

Giacomo Puccini (1858-1924, Italiener), Sproß einer Musikerfamilie, studierte vor allem bei Ponchielli. Schrieb vorwiegend Opern.

Man mag an Puccinis Musik herumdeuteln, soviel man will - eines ist sicher: sie ist echt in dem Sinne, daß sie genau den Ton trifft, der einem bestimmten Weltbürgertum um 1900 entsprach. Liebe wurde kaum noch erlebt, sondern nur mit Rührung wahrgenommen; der Schreck ging nicht mehr ins Herz, sondern ließ die Nerven erzittern; Leidenschaft war nicht mehr die Sache des Blutes, sondern ein Kitzel des Wissenden, Übermüdeten. Und so ist denn Puccinis Opernmusik zwar nicht oberflächlich, aber doch oberflächenhaft, tönender Spiegel eines überzüchteten Welt­bürgertums. Dieses Weltbürgerliche offenbart sich auch darin, daß Puccini die Technik seines Schaffens aus Wagners Leitmotivik, aus der italienischen Gesangstradition, aus dem französischen Klangim­pressionismus, aus der japanischen Klangfärbung kurz, aus aller Welt zusammengesucht hat. Daher auch der Siegeszug seiner Opern durch die ganze Welt. Nur darf man dabei nicht übersehen, daß der Kompo­nist stark genug war, alle diese Einzelzüge zu einem geschlossenen Ganzen zu vereinigen. Gewiß, er war ein Künstler der Dekadenz, aber eben doch ein Künstler - eine Tatsache, die ihn weit über alle Musikrechner hinaushebt und seine Wirkung selbst nach mehr als einem halben Jahrhundert nicht vermindert hat. Du Oper als Gattung hat in Puccini ihren bislang letzten Höhepunkt erreicht. Und das, obwohl sich seine Opern im allgemeinen nicht durch einen großen Zug, sondern durch Stimmungsmalerei und Augenblicks-SchiIderung auszeichnen, klanggeworden durch einen erstaunlichen Reichtum sangbarer Melodien und eine höchst kunstvolle motivische Kleinarbeit im Orchester.

 

 

Manon Lescaut

Lyrisches Drama in vier Akten - Text von Luigi Illica, Dom. Oliva, Marco Praga und Giulio Ricordi

Personen:

  • Manon Lescaut (Sopran)
  • Sergeant Lescaut, ihr Bruder (Bariton)
  • Chevalier des Grieux (Tenor)
  • Geronte, Steuerpächter (Baß)
  • Edmond, Student (Tenor)

 

Ort und Zeit: Frankreich und Amerika, zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts- Uraufführung: 1.2.1893, Turin

Einen wirklichen Opernerfolg errang Puccini erst mit dieser Oper, deren Stoff übrigens auch Massenet vertonte. Es ist ein Werk für schöne Stimmen. Tanzformen, Madrigal und andere Kleinformen bilden das Gerüst.

 

1.     AKT: Manon, die ihr Bruder ins Kloster sperren will, möchte der reiche Steuerpächter Geronte entführen. Sie aber macht sich mit dem jungen Grieux aus dem Staube.

2.     AKT: Nun ist Manon, vermittelt durch ihren Bruder, die Geliebte des Steuerpächters geworden. Doch sagt ihr die dünne Luft des Reichtums nicht zu. Des Grieux, den sie noch immer liebt, will abermals mit ihr das Weite suchen; doch werden sie überrascht. Bei Manon wird der Schmuck gefunden, mit dem sie der Steuerpächter behängt hat; sie wird festgenommen.

3.     AKT: Des Grieux will die zur Deportation verurteilte Manon in einem Hafen durch Bestechung freibekommen, kann jedoch den Schiffskapitän nur dahin bringen, daß er auch ihn mitnimmt.

4.     AKT: Wieder eine Entführung, diesmal geglückt, aus dem Gefängnis. Doch auf der weiteren Flucht durch die Wüste stirbt die verweichlichte Manon in den Armen ihres Geliebten.  

 

La Boheme

Szenen aus Henri Murgers »Vie de Boheme« in vier Bildern - Text von Giacosa und Illica

Personen:

  • Rudolf, Dichter (Tenor)
  • Schaunard, Musiker (Bariton)
  • Marcel, Maler (Bariton)
  • Collin, Philosoph (Baß)
  • Mimi (Sopran)
  • Musette (Sopran)
  • Bernard, Hauswirt AIcindor (Baß)

Ort und Zeit: Paris um 1830

Uraufführung: 1.2.1896, Turin, TeatroRegio

Wohl die für Puccini bezeichnendste Oper. Wie die Handlung nicht straff durchgeführt ist, sondern nur einzelne Szenen aneinanderreiht, so gibt die samtene Musik lediglich (vgl. Mimis Thema) klanggebettete Einzelstimmungen von betörendem melodischen Zauber.

1. BILD: Der »Dichter« Rudolf und der »Maler« Marcel frieren elendiglich in ihrer Dachkammer. Auch der
»Philosoph« Collin hat kein Geld auftreiben können Da bringt der»Musiker« Schaunard Speisen, Wein und
Geld: ein Engländer hatte ihn als Gesangslehrer für sei­nen Papageien engagiert. Trinken wollen sie nun
daheim, aber das Essen soll am Weihnachtsabend im Cafe Momus eingenommen werden. Den um die Miete vorsprechenden Hauswirt werfen die vier lustigen Vögel moralisch entrüstet hinaus, nachdem sie ihn
listig lockere Reden haben führen lassen. Rudolf will noch einen Artikel für die Zeitung schreiben, die anderen drei gehen inzwischen voraus. Da tritt die arme Näherin Mimi herein, um sich Licht für ihre Kerze zu holen. Man erzählt sich gegenseitig seine belanglose Lebensgeschichte, man spielt ein wenig Verstecken, aber dann gesteht man sich seine Liebe. Mimi folgt mit Rudolf den anderen ins Cafe Momus.

 2. BILD: Auf dem Weihnachtsmarkt kaufen die vier Bohemiens ein paar Kleinigkeiten (Mimi erhält von
Rudolf ein Spitzenhäubchen). Dann geht's ins Cafe Momus. Gegenseitiges Vorstellen, heiteres Geplauder
da schreit Marcel auf: seine frühere Geliebte Musette, die er noch immer liebt, erscheint am Arm eines lten
Gecken. Spitze Bemerkungen fliegen von Tisch zu Tisch, Musette stimmt ein betörendes Walzerlied an,
und als sie die Wirkung auf Marcel bemerkt, schickt sie ihren reichen, alten Liebhaber mit einem Schuh zum Schuhmacher und wirft sich in Marcels Arme. Im Triumph wird sie von Collin und Marcel davongetragen, und der zurückkehrende Geck hat zu allem auch noch die Rechnung für die vier Freunde zu bezahlen.

 3. BILD: Kleine Schenke neben dem Zollhaus. Von einem schrecklichen Husten geplagt kommt Mimi in
der kalten Winternacht und läßt Marcel aus der Schenke holen. Er soll ihr helfen: zwischen Rudolf und Mimi, die nun zusammen wohnen, ist nicht mehr alles in Ordnung. Da Rudolf naht, schickt Marcel sie fort; doch sie verbirgt sich und wird nun Zeuge des Gesprächs.  Auf Marcels Vorhaltungen  behauptet Rudolf zunächst, Mimi sei flatterhaft; doch dann gesteht er: Mimis Husten ängstigt ihn, sie muß sterben.
Da seufzt sie in ihrem Versteck, und Rudolf eilt beschämt zu ihr. Noch einmal finden sich die Herzen in
einem Liebesgesang, während Marcel wütend mit der wirklich flatterhaften Musette einen heftigen Streit beginnt.

4. BILD: Rudolf und Marcel sitzen wieder in ihrem alten Dachstübchen. Ihre  Mädchen haben sie verlas­
sen, doch denken sie immer wieder an die seligen Tage. Schaunard und Collin kommen mit einem Brot
und einem Hering. Man spielt vornehm »Diner«, man wagt sogar ein ausgelassenes Tänzchen. Da tritt hastig Musette ein: Mimi folge ihr, sie sei sterbenskrank! Verstört legt Rudolf Mimi auf das armselige Bett. Musette will ihr eine Freude machen und geht mit Marcel einen Muff kaufen. Collin eilt in die Apotheke und nimmt Schaunard mit. Mimi erwacht noch einmal. Süß und unsagbar traurig klingen die Erinnerungen an das Einst auf; dann fällt die Kranke kraftlos in die Kissen. Die Freunde und Musette kehren zurück, Musette legt Mimi leise einen Muff auf die Decke. Die Kranke erwacht, freut sich über das Geschenk Rudolfs wie sie meint - und schläft langsam ein. An den bestürzten Mienen der Freunde erkennt Rudolf, was geschehen ist. Mit einem Schrei wirft er sich über die Tote.

 

 

Tosca

Musikdrama in drei Akten nach Sardou von lllica und Giacosa

Personen:

  • Mario Cavaradossi, Maler (Tenor)
  • Cesare Angelotti, ehemaliger Konsul von Rom (Baß)
  • Baron Scarpia, Chef der Polizei (Bariton)
  • Floria Tosca, Sängerin (Sopran)
  • Spoletta, Polizeiagent (Tenor)
  • Der Mesner (Bariton)

Ort und Zeit: Rom 1800

Uraufführung: 14.1.1900, Rom, Teatro Costanzi

 

Die Grausamkeiten des Textes werden wesentlich gemildert durch die Musik. In ihren Harmonien und Melodien lebt mehr der Widerschein des Grausamen als das Grausame selbst; gleichzeitig ist vieles so theatralisch vertont, daß der Hörer jederzeit das Gespielte des Spiels wahrnimmt. Wie scharf Puccini zu charakterisieren weiß, lehrt das Motiv des brutalen Scarpia, das leitmotivisch die ganze Oper durchzieht (zu beachten der schnelle Wandel von B- nach E-Dur).

1. AKT: Der frühere Konsul Angelotti ist aus der Engelsburg geflohen und verbirgt sich in einer Kapelle in der Kirche. Da der Mesner Geräusche gehört hat, kommt er herbei, findet aber nichts. Kurz darauf erscheint der Maler Cavaradossi, um an seinem Bild weiterzuarbeiten. Es ähnelt nicht nur Floria Tosca, der Geliebten Cavaradossis, sondern zugleich einer Dame, die in letzter Zeit mehrfach vor der Kapelle gebetet hat, in die Angelotti geflüchtet ist (es ist seine Schwester, die für den Flüchtigen den Schlüssel bereitgelegt hatte). Cavaradossi weist den Eßkorb des Mesners zurück; der stellt ihn für sich beiseite und geht. Angelotti kommt aus der Kapelle. Cavaradossi verspricht ihm Hilfe, schiebt ihn aber sofort in die Kapelle zurück, weil er Tosca kommen hört, und gibt ihm den Inhalt des Eßkorbs. Eifersüchtig ist Tosca: ihr Mario Cavaradossi hat sie lange warten lassen, und das Bild ... ja gleicht es nicht der Atavanti? Mario beruhigt sie und verabredet mit ihr eine Zusammenkunft am Abend. Kaum ist sie fort, da holt er Angelotti, berät mit ihm einen Fluchtplan. Doch ein Kanonenschuß kündet an, daß die Flucht bereits entdeckt ist. Schleunigst eilen die beiden durch die Atavanti-Kapelle zu Marios Landhaus. Da erscheint Baron Scarpia mit seinen Häschern, um Angelotti zu suchen. Ein Blick sagt ihm alles: das Bild ähnelt der Schwester des Entflohenen, der Maler ist verschwunden, der Eßkorb geleert, in der Kapelle wird ein Fächer der Atavanti gefunden ... Und mit diesem Fächer entfacht er die Eifersucht der zurückkommenden Tosca. Dann schickt er ihr Häscher zur Beobachtung nach. Scheinheilig sinkt er betend in die Knie; aber sein Gedanke ist: »Er für den Galgen, sie für mein Lager.«

2.AKT: Scarpia läßt Tosca zu sich bitten. Angelotti wurde nicht gefunden, aber Cavaradossi als verdächtig festgenommen. Ihn läßt Scarpia hereinführen, damit er aussage, wo Angelotti verborgen sei. Der aber schweigt und gibt auch der eintretenden Tosca einen Wink, zu schweigen. Wütend läßt ihn Scarpa auf die Folter spannen. Inzwischen sucht er Toscas Eifersucht zu schüren. Tosca weicht aus, will sich und Angelotti nicht verraten. Da ertönt ein furchtbarer Schrei des gefolterten Mario. Fast besinnungslos stößt sie hervor: »Im Brunnen hinterm Haus.« Scarpia lächelt, läßt den halbtoten Mario hereintragen. Der weist die Tröstungen der »Verräterin« zurück. Eine unvorhergesehene Nachricht: Napoleon ist nicht geschlagen, sondern hat gesiegt! Unbeherrscht singt Mario ein wildes Triumphlied. Kalt läßt ihn Scarpia zum Tode führen. Zu Tosca gewandt, erklärt er sich bereit, Mario entkommen zu lassen, wenn sie sich als Preis dafür biete. Erst als sie von draußen die Vorbereitungen zur Hinrichtung hört, flüstert sie leise »Ja«. Der Häscher Spoletta erhält von Scarpia Anweisung: Mario solle nur zum Schein erschossen werden: »Genau wie beim Grafen Pal mieri«, sagt er mit besonderem Nachdruck. Der Häscher versteht. Während Scarpia einen Paß für Tosca und Cavaradossi ausschreibt, berührt Tosca zufällig ein auf dem Tisch liegendes Messer... Als Scarpia den Preis der Freilassung gewinnen will, stößt sie ihm das Messer ins Herz.

3. AKT: Auf der Plattform der Engelsburg. Cavaradossi will noch einen Brief an Tosca schreiben - da erscheint sie selbst, gibt ihm statt aller Worte den Paß Frei! Schnell unterrichtet sie ihn: nur zum Schein werde er erschossen; daß er nur recht geschickt falle! Die Soldaten stellen sich auf, lächelnd schreitet Mario zum »Tode«, die Schüsse ertönen, geschickt läßt sich Mario hinfallen. Die Soldaten marschieren ab. Tosca ruft leise, dann lauter; ärgerlich tritt sie zu ihm ... Da schreit sie auf: Mario ist tot. »Genau wie beim Grafen Palmieri«. Scarpias Ermordung ist entdeckt, die Häscher nahen. Wild stößt Tosca sie zurück und springt vom Turm in die Tiefe.

 

 

Madame Butterfly

 

Tragödie einer Japanerin in drei Akten Text von Illica und Giacosa

Personen:

  • Cho-Cho~San, genannt Butterfly (Sopran)
  • Suzuki, ihre Dienerin (Mezzosopran)
  • Linkerton, amerikanischer Marineleutnant (Tenor)
  • Sharpless, amerikanischer Konsul (Bariton)
  • Goro (Tenor)
  • Fürst Yamadori (Tenor)
  • Onkel Bonze (Baß)
  • Kate Linkerton (Sopran)

 

Ort und Zeit: Nagasaki, Anfang des 20. Jahrhunderts Uraufführung: 17.2.1904, Mailand, Teatro alla Scala

Mag der Hörer von heute das Geschehen dieser Oper nach der politischen Entwicklung Japans im 20. Jahrhundert für geradezu widersinnig halten, es geradezu ablehnen - Puccinis spiegelnde, spiegelglatte Musik schwemmt alle Verstandesbedenken hinweg. Butterflys Liebesweise, um nur eines herauszugreifen (vgl. Notenbeispiel), ist wie das meiste in dieser Oper so unsagbar süß, meinetwegen: übersüß, daß man sich solcher Melodik widerstandslos überläßt. Zuweilen glaube ich, Puccinis Melodienfülle gerade in diesem Werk habe die moderne »Angst vor der Melodie« in vielen Komponisten hervorgerufen: ähnliches zu erreichen, scheint ihnen wohl unmöglich. (Nur Strawinsky betont immer wieder die Bedeutung der Melodie.)

1. AKT: Der Mädchenhändler Goro zeigt dem amerikanischen Marineleutnant Linkerton das Häuschen, das er für ihn und seine »auf neunundneunzig Jahre« geheiratete Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, bereithält. Der Konsul Sharpless kommt als erster der Hochzeitsgäste; doch die Scheinheirat nimmt er nicht so leicht wie Linkerton. Die Geishas nahen, unter ihnen die »Braut«. Sie erzählt ihre Geschichte, die Hochzeitszeremonien werden vollzogen, alles ist vergnügt, bis Onkel Bonze wütend hinzukommt: er veflucht Butterfly, weil sie Linkertons und ihrer (von ihr ernstgenommenen) Ehe wegen zum christlichen Glauben übergetreten ist. Entsetzt fliehen alle japanischen Gäste, verfluchen Butterfly; und auch der Konsul geht, warnt noch einmal Linkerton. Die verlassene Butterfly hat jetzt nur noch Linkerton und ihre Liebe.

2. AKT: Drei Jahre später. Butterfly harrt der versprochenen Wiederkehr des Geliebten, wird zornig, als ihre Dienerin Suzuki zweifelt. Den Konsul, der mit schlimmer Kunde zu ihr kommt, läßt sie kaum zu Worte kommen. Und den Fürsten Yamadori, der um sie wirbt, weist sie höflich, doch bestimmt zurück: sie sei amerikanisch getraut. Nach Yamadoris Fortgang beginnt der Konsul, einen Brief von Linkerton vorzulesen; aber wiederum läßt ihn Butterfly nicht ausreden vor Entzücken . Da wird er deutlich: wenn nun Linkerton nicht wiederkehre? sie zuckt zusammen, holt ihr blondes Kind ... Der Konsul ist erschüttert, wagt nicht mehr, seinen Auftrag zu erfüllen, und verläßt sie traurig. Ein Kanonenschuß im Hafen! Aufgeregt holen die Frauen ein Fernrohr, buchstabieren den Namen des einlaufenden Schiffes: es ist das Linkertons, Butterfly triumphiert: er ist doch wiedergekommen! Das Haus wird mit Blumen geschmückt, und wie der Abend herabsinkt, stechen die Frauen Löcher in die Papierwände, schauen zum Hafen hinab, warten ...

3. AKT: Der Morgen dämmert, Butterfly hat vergeblich gewartet. Linkerton und Sharpless erscheinen, sprechen mit Suzuki: Butterfly möge auf das Kind verzichten. Suzuki begreift alles, als sie im Garten eine Dame sieht: Linkertons Gemahlin. Während Suzuki mit Kate Linkerton spricht, eilt Linkerton selbst hinweg. Butterfly hat seine Stimme gehört, läuft jauchzend herbei, erblickt die Dame ... und weiß, was das zu bedeuten hat. Linkerton möge selbst das Kind holen, flüstert sie mit erstickter Stimme .Allein geblieben, läßt sie ihrer Verzweiflung freien Lauf. Das Zimmer wird verdunkelt, Suzuki fortgeschickt, Butterfly nimmt einen Dolch - da kommt das Kind. Sie umarmt es leidenschaftlich; dann schickt sie es in den Garten. Über eine spanische Wand hört man den Dolch fallen. Von draußen hört man Linkertons Rufen. Butterfly schleppt sich ihm entgegen, bricht aber tot zusammen.

 

Turandot

Lyrisches Drama in drei Akten Text von Giuseppe Adami und Renata Simoni

Personen:

  • Turandot, chinesische Prinzessin (Sopran)
  • Altoum, Kaiser von China (Tenor)
  • Timur, entthronter Tatarenkönig (Baß)
  • der unbekannte Prinz Kalaf, sein Sohn (Tenor)
  • Liu, junge Sklavin (Sopran)
  • Ping, Kanzler (Bariton)
  • Pang, Marschall (Tenor)
  • Pong, Küchenmeister (Tenor)
  • Ein Mandarin (Bariton)

 

Ort und Zeit: Peking, Märchenzeit

Uraufführung: 25.4.1926, Mailand, Teatro alla Scala

 

Die letzten Szenen dieser Oper hat Puccini nicht mehr vertonen können; Franco Alfano hat sie nach Skizzen des verstorbenen Meisters zu Ende geführt. Im ganzen ein leicht zwiespältiges Werk, weil der Ausgleich zwischen der Welt um die kalte Prinzessin Turandot und der um die menschlich warme Sklavin Liu (Puccinis edelste Gestalt) musikalisch nicht ganz gelungen ist. Dennoch ein Werk, das durch geschwungene Melodien, starke Chorsätze »chinesisch eingefärbte« Klänge nicht minder bezaubert als durch das bei Puccini nicht eben häufige Streben, an Stelle von Kleinbildern größere Zusammenschau zu geben.

1. AKT: Der »unbekannte Prinz« erblickt die Vorbereitungen zur Hinrichtung eines Turandot-Freiers, der die ihm aufgegebenen drei Rätsel nicht zu lösen vermochte. In der unruhigen Menge findet er seinen alten Vater und die ihn heimlich liebende Sklavin Liu. Das zuvor hämisch spottende Volk wird durch den Anblick des zum Tode Verurteilten von Mitleid bewegt und ruft Turandot um Gnade an. Die Prinzessin erscheint am Fenster, und Kalaf verliebt sich in ihre Schönheit. Auch er will sich als Freier melden. Vergeblich versuchen Ping, Pang und Pong ihn zurückzuhalten und zu warnen.

 2.    AKT: Ping, Pang und Pong möchten dem Hofe Turandots entfliehen, wo sie doch nur »bessere Henkersknechte« sind, und träumen von einem stillen Leben an lieblichen Lotosteichen. -Verwandlung. Im Kaiserpalast wird Kalaf von Turandot befragt. Die Prinzessin will die an einer Ahnin begangene Untat rächen, indem sie jeden Freier, der ihre Rätsel nicht zu lösen vermag, in den Tod schickt. Doch Kalaf findet die Lösung. Der Kaiser, des Mordens müde, möchte Turandot zwingen, Kalaf zum Gemahl zu nehmen; doch dieser will nicht Zwang, sondern Liebe: wenn Turandot bis zum Morgen seinen Namen errät, soll sein Leben verfallen sein.

3.     AKT: Niemand darf schlafen in dieser Nacht; denn der Name des Fremdlings muß gefunden werden. Ruhig und siegesbewußt harrt Kalaf im Schlossgarten der aufgehenden Sonne. Ping, Pang und Pong versu chen, durch Schmeicheln und Drohen dem Fremden seinen Namen zu entreißen. Da werden Timur und Liu herbeigeschleppt. Sie wurden zuletzt mit dem Fremdling gesehen. Liu gibt zu, den Namen zu wissen, verschweigt ihn aber standhaft. Vor Turandots Augen wird sie gefoltert; doch sie ersticht sich mit dem Dolch eines Soldaten. Turandot ist erschüttert von solcher Liebe. - Kalaf entreißt Turandot den Schleier und küsst sie. Weinend gesteht sie, daß sie ihn von Anbeginn gehaßt - und geliebt habe. Nun gibt er sich in ihre Hand und nennt ihr seinen Namen. - Verwandlung. Turan dot verkündet vor dem ganzen Hofe, sie wisse den Namen des Fremdlings; er heiße Â»Gemahl«.

 

 

 

 

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